Barockfest Schloss Heidecksburg
10.09.2011 zu Rudolstadt
Rauschendes Barockfest auf Schloss
Heidecksburg

Geben sich beim Barockfest am
Sonnabend auf dem Rudolstädter Residenzschloss Heidecksburg die Ehre: Georg F.
F.Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Gemahlin Caroline nebst Infant Georg
August.
Auf der Rudolstädter Heidecksburg
wurde die Zeit am Wochenende um 300 Jahre zurückgedreht. Aus Bankkaufmännern
und Friseusen wurden Herzöge und Prinzessinnen. Beim Tanz kam manche Perücke
ins Rutschen.
Rudolstadt. Zurückversetzt an den Anfang
des 18. Jahrhunderts fühlten sich am Samstag die rund 200 Besucher des vierten
Barockfestes im Rudolstädter Residenzschloss Heidecksburg. Pünktlich um 17.30
Uhr lud Seine Durchlaucht Fürst
Friedrich Anton nebst Gemahlin und
Gefolge im großen Festsaal zur Audienz.
Von Hofmarschall von Schwatzburg wurden die hochwohlgeborenen Gäste
einzeln vorgestellt und vor das Fürstenpaar geführt, wo sie ihre Empfehlungen
und ihr Begehren vorbringen durften. Die da vor den Fürsten traten, sind im
Zivilberuf Bankkaufmann oder Friseurin, Ingenieur oder
Verwaltungsfachangestellte. In ihrer Freizeit jedoch widmen sie sich dem
historischen Hobby des barocken Lebens wie
Marko Baudier aus
Dessau, der mit Gemahlin am Arm als
anhaltinischer Herzog als einer der ersten geladenen auswärtigen Gäste vor
Friedrich Anton und sein Gefolge trat.

Madame Jutta Voß mit
Monsieur Niels Badenhop, der als Tänzer und Sänger den Abend bereicherte.
"Wir leben dieses Hobby so gut uns
das in unserer heutigen Zeit möglich ist", sagte
Baudier kurz vor seinem großen Auftritt.
Mehrere solcher Feste, die in letzter Zeit Konjunktur haben, besuchen die
Baudiers und ihre Freunde im Jahr. In
Rudolstadt waren sie am Samstag zum
ersten Mal. "Das herrliche, originalgetreue Ambiente des Residenzschlosses ist
natürlich eine eindrucksvolle Kulisse für so ein rauschendes Fest. Wir sind
beeindruckt und werden auf jeden Fall wiederkommen", fasste
Marko Baudier seine ersten Eindrücke
zusammen.
Die Liste der illustren Gäste mit ebensolchen Titeln, den
großen Adelsgeschlechtern der Zeit angelehnt, war lang. Es wimmelte nur so von
Herzögen, Grafen, Prinzessinnen, Geheimräten und Kanzlern. Die lange Aufzählung
der Titel
ließ immer wieder Ausrufe des Erstaunens und der
Bewunderung im Publikum, das den Hofstaat darstellen sollte, ertönen. Viele der
Durchlauchten und Exzellenzen traten in einer Doppelrolle auf, kümmerten sich im
Hintergrund um Ablauf und Organisation. So zum Beispiel Madame
Jutta Voß aus dem Berlinischen, die als
Dozentin an der Universität der Künste
Berlin und der Musikhochschule
Leipzig an diesem Abend für die Choreografie
der Tänze verantwortlich zeichnete. Denn Tanzen stand im weiteren Verlauf des
Festes im Mittelpunkt. Viele derjenigen, die sich erstmals in die Komplexität
der barocken Tanzschritte finden mussten, nahmen die Erkenntnis mit nach Hause,
das, was so spielerisch leicht aussieht, in Wirklichkeit nicht ohne
Schwierigkeiten zu meistern ist. Da kam so manche Perücke ins Rutschen, und die
Grazie mancher Schritte ließ noch das Erfordernis nach Übung erkennen.
So machte es wohl allen trotz vorgeschriebener und peinlich zu befolgender
Etikette vor allem Spaß, sich um 300 Jahre zurückversetzt zu fühlen und bis in
die Nacht vergnügt zu feiern. Draußen vor dem Tor wartete freilich auf viele
nicht die Kutsche oder Kalesche, sondern der Mercedes oder
VW. Und auch wer des Nachts die Stufen zur
Stadt zu Fuß hinuntersteigen musste, nahm wohl den Eindruck mit, dass das Leben
im Barock schön und angenehm gewesen sein muss. Zumindest für jene, die damals
den Stand und das entsprechende Geld hatten, zum fürstlichen Kreis dazu zu
gehören.
Das einfache Volk freilich, das wird wohl auch vor 300 Jahren am Fuße der
Heidecksburg gestanden und zur Mitternachtszeit das fürstliche Feuerwerk
bewundert haben genau wie am Samstag.
Lutz
Lindner / 12.09.11 /
otz
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